Garth Greenwell – Kleiner Regen
Der namenlose Ich-Erzähler in Garth Greenwells drittem Roman landet mit heftigen unspezifischen Bauchschmerzen in der Notaufnahme, mitten während der Corona-Pandemie. In den folgenden Tagen der Ungewissheit sieht sich der Lyriker zum einen mit den Tücken des amerikanischen Gesundheitssystems konfrontiert – und singt dabei trotz allem ein Loblied auf die Pfleger*innen und Ärzt*innen -, zum anderen beginnt ein für ihn völlig neues Nachdenken über die Vergänglichkeit des eigenen Lebens.
Garth Greenwell erzählt mit einer Zartheit und Behutsamkeit, wie ich es selten gelesen habe, über zwischenmenschliche Beziehungen, Literatur, Sprache und Musik, die Verletzlichkeit des Körpers, über scheinbar Banales wie einen Hausbau oder den Alltag an der Universität, vor allem aber über die Liebe der Hauptfigur zu ihrem Partner L – eine leise, unaufgeregte, aber doch leidenschaftliche Liebe: „Dass eine Beziehung mit so wenig Drama, so wenig Beklemmung begann, hatte ich noch nie erlebt: Es gab weder quälende Unsicherheit noch schlaflose Nächte, nur eine Tatsache, die vorher keine gewesen war.“
Die wundervolle Sprache ist auch der brillanten Übersetzerin Milena Adam zu verdanken.
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