Emma Cline – In die Schweiz
Im Privatjet auf dem Transkontinentalflug nach Zürich mit Zwischenstopp in London, im Kopf von David Hastings.
David, Amerikaner, Ende Siebzig, sein Leben lang Geschäftsmann in leitender Position, geschieden, eine Tochter. Doch das erfährt man erst nach und nach. Sehr schnell jedoch ereilt die Leserin ein Unbehagen, eine Unsicherheit, die direkt aus dem Hirn des Erzählers zu kommen scheint.
Fortgeschrittene und unaufhaltsame Demenz ist seine Diagnose, und sein Leben ist nur noch möglich in dauerhafter Begleitung von Cody, dem jungen Mann, der sich bis an sein Lebensende um ihn kümmern wird. Davids Gedanken und seine Erinnerungslücken führen einen durch diesen Roman, sehr nah an der Krankheit, an Wut, Bedauern und Hilflosigkeit. Das Ziel seiner Reise, in Zürich mit organisierter Sterbehilfe aus dem Leben zu scheiden, ist vorerst eine Ahnung, schließlich ein dräuendes Ereignis, auf das die Erzählung gnadenlos hinsteuert. David ist kein Sympathieträger, zu wenig war ihm wichtig im Leben, weder Liebe, Empathie, noch Ernsthaftigkeit.
Eine hautnahe Erfahrung zwischen weltlichem Luxus und menschlicher Armut, großartig aufgeschrieben von einer jungen, ungemein weisen Autorin.