Douglas Stuart – John of John
Für Shuggie Bain hat Douglas Stuart 2020 den Booker Prize bekommen, sein neuer Roman John of John ist nicht minder tragisch und groß!
Ähnlich Tennessee-Williams-artig hat Douglas Stuart seine Protagonist*innen angelegt: Cal, der 23-jährige Junge, der von der Kunsthochschule in Edinburgh nach Hause zurückkehrt, weil sein Vater ihn auf den Hof zurückbeordert. John, sein Vater, der auf der Insel Harris, eine der äußeren Hebriden in Schottland, eine Schafzucht betreibt und, wie fast alle dort, seinen eigenen Tweed webt.
Cal hat in Edinburgh das ausschweifende Leben des Modebetriebs kennengelernt und seine queere Sexualität entdeckt. John ist strenger Presbyterianer und Kirchenmann, aber – und das erfährt man schon nach 5 Seiten des Buches – auch schon Zeit seines Lebens verdeckt schwul. Und dann gibt es noch Ella, die englische Groß- und Schwiegermutter, eingeheiratet und niemals wirklich zugehörig, die den Männern den Haushalt führt und viel mehr durchschaut, als alle ihr zutrauen. Schließlich, abwesend aber erdrückend in ihrer Gegenwart, Cals Mutter Grace, die die Familie verließ, als sie zufällig von der sexuellen Vorliebe ihres Mannes erfuhr.
Kammerspielartig treffen die Protagonist*innen in der Enge der Dorfes auf einander, die Inselleute und manchmal auch ein paar Fremde. Die raue Natur Schottlands, die Schönheit der Tweedweberei, geradezu poetisch geschildert, und natürlich die kaum zu überwindende Distanz zwischen Vater und Sohn, die sich doch so ähnlich sind in ihren Heimlichkeiten und Sehnsüchten: Jenseits aller Klischees hat dieser Roman ungemeine Explosivität, Härte und Zauber gleichzeitig!
Unbedingt lesen,
empfiehlt Katharina